Während in der Schweiz eigentlich nur Mobility und der Plattformbetreiber Sharoo ein eigentliches Carsharing anbieten, gibt es in Deutschland einen regelrechten Verdrängungswettbewerb von Carsharing-Anbietern. Für Kunden bedeutet die Wahl zwischen unterschiedlichen Fahrzeugen (und Apps, bei denen man sich registrieren muss). Der Nachteil: Unter dem Strich werden verschiedene Fahrzeugflotten parallel aufgebaut (zumindest so lange, bis sich der Markt konsolidiert).

Lange Zeit schien Carsharing ein wirksames Mittel gegen die Auswüchse des Individualverkehrs zu sein. Ein geteiltes Fahrzeug könne acht bis zehn Privatautos ersetzen errechnete die Unternehmensberatung Frost & Sullivan 2011.
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Falsch lagen die Experten von Frost & Sullivan jedoch mit zwei anderen Annahmen: Allein bis 2016 sollten so über eine Million Privatfahrzeuge eingespart werden. Ebenso utopisch sind Erlöse durch Carsharing in Höhe von sieben Milliarden Euro im Jahr 2020.
Joachim Becker in der Süddeutschen Zeitung

Im Artikel wird impliziert, es habe sich herausgestellt, Carsharing würde die Gesamtzahl an Autos nicht reduzieren (auch wenn dies nicht weiter beziffert oder belegt wird). In der Schweiz stellt sich Mobility allerdings auf den Standpunkt, dies würde sehr wohl passieren. Mobility bezieht sich auf eine Studie der ETH (die allerdings in Zusammenarbeit mit Mobility entstanden ist), dass man vier Auto pro Catch-Car (heute Mobility Go) einsparen könne.

Eine neue ETH-Studie vom Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme belegt, dass wir circa vier Privatautos mit einem Catch a Car ersetzen können. Demnach hat der Einsatz von 150 Catch a Car-Autos in Basel eine Reduktion von 500 Privatautos zur Folge. Die Angst ist also unbegründet. Noch mal: Wir reduzieren die Anzahl Fahrzeuge und damit den Verkehr und die Nachfrage nach Parkplätzen.
René Mäder von Mobility im Interview mit der Handelszeitung

Im SZ-Artikel wird weiter ausgeführt, dass die Margen der Anbieter enorm klein seien und durch den starken Wettbewerb nur wenig Profit zu machen sei. Dies hat weniger mit der Idee Carsharing an sich zu tun, sondern mehr damit, dass in Städten wie Berlin derzeit ein starker Wettbewerb herrscht und alle Anbieter versuchen, ein möglichst grosses Stück vom Kuchen zu erhalten. (Das gleiche sah man vor einigen Jahren bei Fernbussen und im Moment bei e-Trottis).

Autos teilen macht trotzdem Sinn

Ob die Geschäftsmodelle nun im jetzigen Moment funktionieren oder nicht, hat in erster Linie einen Einfluss auf die Geschwindigkeit des Ausbaus von Carsharing (bzw. die Attraktivität für Investoren). Dass Autos nicht ganze Tage auf öffentlichen Parkplätzen herumstehen, sondern zwischen Nutzern geteilt werden, diese Idee macht Sinn und das Liegt auf der Hand.

Interessant ist die Konkurrenz anderer Verleihsysteme, die ebenfalls «Dockless» funktionieren (kein zurückbringen an den ursprünglichen Ort nötig). So kann ich am eigenen Konsum beobachten, dass ich eher zu einem e-Bike oder gar e-Scooter als einem Catch-Car greife um von A nach B zu kommen. Somit könnte die Konkurrenz durch Lime, Smide, Circ und Pick-e-Bike für Carsharing ein grösseres Problem werden.